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Wie bekomme ich einen Backlink von Wikipedia?

Das Wissensportal Wikipedia ist zweifellos eine der begehrtesten Plattforme, wenn es um Backlinks geht. Obwohl alle externen Links mit dem Nofollow-Attribut ausgestattet sind, ist es weitgehend unumstritten, dass ein Backlink aus der Online-Enzyklopädie nicht nur zusätzlichen, hochwertigen Traffic bringt, sondern auch eine Menge Trust vererbt – und zwar umso mehr, je länger ein solcher Link Bestand hat. Zudem genießen Wikipedia-Links großes Vertrauen der Leser und werden gerne weiterverlinkt – das bedeutet im besten Fall viele Gratis-Backlinks mit einer natürlichen Struktur – also genau so, wie Google es gerne mag. Viele Webmaster haben es versucht, nur die wenigsten haben damit Erfolg – und das aus gutem Grund.

Grundsätzliches

Am Ende von Wikipedia-Artikeln gibt es oft den Abschnitt „Weblinks“ (seltener: „Externe Links“, „Links“ oder „Verweise“), der eine Aufstellung von Webseiten mit weiterführenden Erläuterungen beinhaltet. Jeden Tag werden in den verschiedensten Themen hunderte von Links hinzugefügt – und meistens wieder gelöscht. Der Grund für diesen rigorosen Umgang mit Links ist auf der Hilfeseite „Was Wikipedia nicht ist“ zu finden. Dort heißt es unter anderem:

Wikipedia ist keine Linksammlung. Exzessive Linklisten oder Weblinks im Artikeltext sind nicht erwünscht; […] Das Open Directory Project oder soziale Bookmarkangebote wie Delicious sind dafür besser geeignet.

[…]

Bei wiederholtem Missbrauch kann die IP-Adresse oder das Benutzerkonto des Nutzers gesperrt werden.

Unter WP:WEB werden die Kriterien für erwünschte Links genauer beschrieben. Neben vielen Einzelrichtlinien gibt es drei Hauptkriterien, nach denen Links beurteilt werden:

  • Die verlinkten Webseiten müssen genau den Artikelgegenstand behandeln
  • Die verlinkten Webseiten müssen qualitativ hochwertig sein
  • Die verlinkten Webseiten müssen Informationen enthalten, die über das im Artikel selbst dargestellte Wissen hinausgehen (Mehrwert)

Externe Links werden in Wikipedia nicht im Text eingefügt, sondern in dem dafür vorgesehenen Abschnitt, der in der Regel nach den Literaturangaben und vor den Einzelnachweisen steht. In bestimmten Fällen – wenn zum Beispiel nur eine einzelne Aussage oder ein Absatz durch eine externe Informationsquelle belegt werden soll – können Links auch mit den Tags und als Einzelnachweise in den Artikel aufgenommen werden. Für diese Links gelten allerdings noch strengere Regeln, die im Einzelnen nachzulesen sind, wenn man ins Wikipedia-Suchfeld WP:Q eingibt. Daher will ich die Einzelnachweise in diesem Blogbeitrag ausklammern und mich ausschließlich mit den eigentlichen „Weblinks“ im dafür vorgesehenen Bereich beschränken.

Die offiziellen Wikipedia-Richtlinien für Weblinks im Detail

Grundsätzlich werden im Abschnitt „Weblinks“ nur selten mehr als fünf Einträge geduldet. So werden zum Beispiel Links zu Über- oder Unterthemen entfernt, genauso wie Links zu Gebrauchsanweisungen, How-To-Do-Anleitungen und ähnliches. Die Qualität der verlinkten Seiten sollte so hoch sein, dass der dort zu lesende Text genauso auch in einer Enzyklopädie stehen könnte.

Im Detail werden die Richtlinien auf der Hilfeseite WP:WEB beschrieben. Dort sind 14 Einzelrichtlinien angegeben, von denen allerdings einige mit technischen Fragen zu tun haben. Die hier wiedergegebenen Einzelrichtlinien beschränken sich auf den inhaltlichen Bereich:

  1. Deutschsprachige Seiten werden bevorzugt
  2. Links auf Newsgroups, Foren, Blogs oder Fanclubs sind unerwünscht
  3. Links auf Soziale Netzwerke sind nur in Ausnahmefällen erlaubt – wenn etwa die Facebook-Seite einer Band ihr einziger „offizieller“ Internetauftritt ist
  4. Webseiten, die nach Werbung aussehen, fliegen raus
  5. Kostenpflichtige oder registrierungspflichtige Seiten sind unerwünscht
  6. Websites mit rechtswidrigen Inhalten werden gelöscht (betrifft u.a. auch Youtube-Videos mit zweifelhaftem Urheberrechtsstatus)
  7. Erfahrungsberichte, Selbsthilfegruppen und ähnliches sind bis auf wenige Ausnahmen unerwünscht

Auf den ersten Blick scheinen diese Regeln gewisse Schlupflöcher zuzulassen, die es aber in Wirklichkeit kaum gibt. Die Regeln werden von der Community sehr rigoros ausgelegt. Davon sind auch die in den grundlegenden Kriterien implizierten Einzelfallentscheidungen betroffen. In solchen Fällen, wo jemand einen Interpretationsspielraum zu sehen scheint, wird eine Regel normalerweise umso strenger ausgelegt. Das inoffizielle Motto lautet: Im Zweifelsfall gegen den Angeklagten.

Einzelrichtlinien für Städte, Orte, Gemeinden

Besonders oft werden Artikel über Städte und Orte zum Opfer von Linkvandalismus – und das umso mehr, wenn diese in interessanten touristischen Regionen angesiedelt sind. Wenn es nämlich um Hotels, Appartements, Tourismuswerbung, Regionalportale und ähnliches geht, kommen ganz schnell die Suchmaschinenoptimierer ins Spiel bzw. die, die es gerne sein möchten.

Kurze Zusammenfassung für alle angehenden SEOs: Links, die irgendwie mit Tourismuswerbung zu tun haben, fliegen zu 99 % raus. Das gilt auch dann, wenn es sich um die „offizielle Tourismus-Website“ einer Region handelt. Wer es genau wissen will, sollte einfach WP:WEB/O ins Suchfeld eingeben und sich die Einzelrichtlinien zu Gemüte führen. Erwünscht sind hochwertige Einzelartikel zu Geschichte, Geographie oder denkmalgeschützten Objekten – allerdings sind auch hier die Qualitätsanforderungen sehr hoch.

Umgang der Wikipedia mit Linkspam

Aufgrund der in der Einleitung genannten Vorteile eines Wikipedia-Backlinks hat die Online-Enzyklopädie seit jeher ein massives Spamproblem. Jeden Tag werden hunderte unpassende Links hinzugefügt und wieder gelöscht. Manche Menschen scheinen zu hoffen, dass in einem so großen Projekt ein einzelner Link zu einem Nischenthema nicht weiter auffällt. Diese Denkweise ist ein Fehler.

In der Eingangskontrolle hat es sich eine stattliche Anzahl von freiwilligen Mitarbeitern zur Aufgabe gemacht, die aktuellen Artikeländerungen zu kontrollieren. Manche haben sich dabei geradezu auf Weblinks spezialisiert und benutzen entsprechende Werkzeuge, um die letzten Bearbeitungen dahingehend zu filtern. Ob es sich da um „große“ Themen wie die Olympischen Spiele handelt oder eine winzige Nische – wie zum Beispiel die Ablaichbürste für Koi-Karpfen – spielt dabei keine Rolle.

Oft wird ein gelöschter Link nur wenige Minuten später wieder eingetragen – allerdings erscheint dieser Edit im selben Moment auf der Beobachtungsliste des Benutzers, der ihn zuvor entfernt hatte. Gelöschte Links stur wieder einzusetzen ist also sinnlos. Bei der zweiten Wiederholung gibt es meistens eine nicht ganz so freundliche Nachricht zur Warnung, beim dritten Mal wird die IP oder das Benutzerkonto gesperrt. Bei hartnäckigen Wiederholungstätern kann sogar eine komplette IP-Range gesperrt werden oder die zu verlinkende Website landet auf der Blacklist.

Für den Fall, dass ein unpassender Link in der Eingangskontrolle übersehen wird, wartet schon die nächste Hürde. Seit der Einführung der „gesichteten Versionen“ wird unangemeldeten Benutzern – also der überwiegenden Mehrheit der menschlichen Besucher und auch den Crawlern der Suchmaschinen – standardmäßig die letzte gesichtete Version eines Artikels angezeigt. Nur über einen Extraklick über den Artikel-Reiter ist die ungesichtete Version zu erreichen.

Ursprünglich war dies als Schutz gegen Vandalismus gedacht. Wenn ein gelangweilter Teenager im Artikel über Justin Bieber den Familiennahmen des Künstlers durch „Penis“ ersetzt, würde das ein zufälliger Besucher der Seite nicht mehr zu Gesicht bekommen. Ein erwünschter Nebeneffekt davon ist, dass die obligatorische Sichtung auch dem motiviertesten Spammer irgendwann die Lust raubt.

Wie komme ich nun an einen Backlink von Wikipedia?

In manchen Blogs sind Anleitungen zu lesen, wie man an einen der begehrten Wikipedia-Backlink kommt. Eine hundertprozentige Methode gibt es dafür allerdings nicht.

Eines vorab: Es gibt Themen, wo der Markt bereits so sehr mit hochwertigen Angeboten gesättigt ist, dass sich der Versuch nicht mehr lohnt – zum Beispiel bei der dreihunderttausendsten Affiliate-Seite zum Thema Abnehmen.

Im Grunde genommen gibt es nur einen Weg:

  • Schreib Content, den Du auch selbst als Quelle für eine Hausarbeit oder als Grundlage für eine wichtige Entscheidung verwenden würdest.
  • Die verlinkte Seite sollte möglichst frei von Werbung sein.
  • Der Inhalt sollte seinerseits mit Literatur und Online-Quellen belegt sein. Die inhaltliche Qualität sollte mindestens auf Augenhöhe mit dem Wikipedia-Artikel sein, von dem aus verlinkt werden soll.
  • Wenn all diese Voraussetzungen gegeben sind, dann setze den Link und gib dazu eine kurze Begründung unter „Zusammenfassung und Quellen“ an.

Doch auch dann, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, ist das noch lange keine Garantie, dass der Link auch Bestand hat. Um einen Link zu entfernen, reicht es, wenn die Hauptautoren der Meinung sind, dass der Wikipedia-Artikel an sich schon gut genug ist und schlicht und ergreifend keine weiteren Links mehr benötigt.

Praxisbeispiele

Jemand betreut einen Hotelier, der Ferienwohnungen in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus anbietet. Er hat mit Literatur und Online-Quellen einen ausführlichen Artikel zur Geschichte des Hauses erarbeitet und auf der Hotelwebsite auf einer Unterseite geparkt. Die darin enthaltene Information geht weit über den Inhalt des Artikels in Wikipedia hinaus, und so wurde der Link akzeptiert.

In einem anderen Fall hat jemand ein Projekt im Zusammenhang mit Studienberatung betreut. Einzelne Artikel darin weisen ein sehr hohes Niveau auf und gehen weit über die in der Online-Enzyklopädie enthaltenen Informationen hinaus. Aus unserer Sicht war die Verlinkung in genau zwei Wikipedia-Artikeln sinnvoll. Einer der Links wurde sofort akzeptiert, der andere nicht.

Fazit

Das Fazit ist, dass es sich kaum lohnt, Wikipedia gezielt zur Suchmaschinenoptimierung heimzusuchen. In manchen Fällen, wie zum Beispiel bei dem oben erwähnten denkmalgeschützten Beherbergungsbetrieb, bietet es sich aber förmlich an. Diese Links gibt es nicht umsonst, sondern Wikipedia lässt sich die Einträge sozusagen mit genialem Content bezahlen – am Ende ergibt das eine Win-Win-Situation, von der alle profitieren.


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