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Der ultimative Cloaking Starter Guide

Okay. Du weißt es, ich weiß es, jeder weiß es: All die coolen Kinder “machen BlackHat Sachen” oder wissen zumindest, wie sie sich diese zu Nutze machen können. Damit sich keiner ausgeschlossen fühlen muss hier nun das Fähnlein Fieselschweif für alle angehenden Ninja-SEOs. Heute mit dem Thema: Cloaking Grundlagen

Lektion 1 – Was ist Cloaking?

Sprecht mir nach: Cloaking ist der Überbegriff für Techniken, mit denen man verschiedenen Besuchern der selben Webseite unterschiedliche (HTML-) Inhalte ausliefern kann. Ähm. Wie fing der Satz noch gleich an? 😉 Ein paar plastische Beispiele sollten das Ganze erleichtern:

Stell dir Cloaking als eine Art Weiche vor deinen Webseiten vor, die Besucher entsprechend bestimmter Kriterien in verschiedene Richtungen schickt. Damit ist zum Beispiel ein Türsteher eine Form von Real Life Cloaking. Ebenso wie ein Platzeinweiser im Theater. Alle wollen in die gleiche Vorstellung aber nicht alle sehen das Selbe.

Lektion 2 – Wofür benutzt man Cloaking?

Wie schon erwähnt kann man Cloaking für vielerlei Dinge einsetzen. Um die Usability zu steigern, die “User Experience” zu verbessern, als Defensivmaßnahme gegen Content-Diebe oder um durch Täuschung der Suchmaschinen Spider das Ranking von Webseiten zu verbessern. Letztgenannter Verwendungszweck gilt als verrufen und wird von Suchmaschinen in der Regel hart sanktioniert.
Cloaking bietet aber nicht nur Möglichkeiten zum Spam. Deshalb hier nochmal die geläufigsten Verwendungszwecke zum Mitschreiben:

  • Geotargetting: Geotargetting wird verwendet, um Besuchern ein Angebot vorzusetzen, welches speziell auf ihre Herkunft abgestimmt ist. Anwendung findet es zum Beispiel bei der automatischen Erkennung der Landeswährung des Besuchers oder bei Umleitungen auf landesspezifische Domains (Britische Besucher nach .co.uk, Deutsche Besucher nach .de, usw.)
    Um Geotargetting in Webseiten zu integrieren, verwendet man vorwiegend IP-Delivery.
  • Sprachmanagement: Ein guter Ansatz, um die Usability einer Webseite mit internationalem Publikum zu verbessern, ist die Verwendung von Language-Cloaking für ein effizientes Sprachmanagement. Auch wenn Kontrollfreaks und Bevormundungsparanoiker sich gegen dieses Argument wehren werden: Wenn ein Webmaster Inhalte in mehreren Sprachen anbietet, ist der Leser mit jeweiliger Herkunft sicher eher geneigt, sich direkt an Inhalten in seiner Landessprache zu erfreuen als sich erst durch eine fremdsprache Seitennavigation zu den Inhalten in seiner Sprache durchsuchen zu müssen.
  • Optimierung für Browserbelange: Verschiedene Browser haben verschiedene Eigenschaften und Gimmicks. Um diese optimal zu nutzen, kann man eine Browserweiche vor seine Seiten schalten. Oft werden Browserweichen über Javascript implementiert. Wer sich dabei aber nicht darauf verlassen will, dass clientseitig alles richtig läuft, kann auf eine User Agent Cloaking-Lösung zurückgreifen.
  • Abonnement-Verwaltung: Manch Webmaster möchte gewisse Inhalte seiner Seiten nur für registrierte Nutzer freigeben. Das ist so weit ein legitimes Mittel und lässt sich mittels Cloaking technisch verwirklichen.
  • Content-Scraper Abwehr: Fast jeder Webmaster wird früher oder später die zweifelhafte Bekanntschaft mit besonders eifrigen “Besuchern” auf seiner Webseite machen. Leider lesen diese Besucher nicht nur fleißig, sondern schreiben auch besonders eifrig alles in die eigene Datenbank, woraufhin man seine eigenen Seiteninhalte auf zweifelhaften Domains mittelmäßiger Spammer wiederfindet. Aber auch gegen dieses Problem gibt es einen Lösungsansatz mittels Cloaking. Durch IP-Delivery lassen sich Inhalte ausliefern, die entweder nutzlos (Buchstabensalat) oder kompromittierend (Umleitung auf ein Porno-Blog oder eine eigene Ad-Seite) für ihn sind.
  • Verstecken von Optimierungs-Techniken: Wer seinen Quellcode und damit Geheimnisse in punkto Onpage Optimierung vor den neugierigen Augen der Konkurrenz verbergen will, kann dies durch Cloaking erreichen. Dabei werden die optimierten Quellen nur an Suchmaschinen-Spider ausgeliefert, während der normale Benutzer eine fingierte Variante der Seite ausgeliefert bekommt. Diese unterscheidet sich nach außen hin nicht von der, die an die Spider ausgeliefert wurde. Der Quelltext kann jedoch ein vollkommen anderer sein. Auch wenn dies als weitere defensive Technik wohl einem manuellen Review standhalten würde, ist es aus technischer Sicht schwer, diese Form des Cloakings vom reinen Cloaking zur Optimierung des Rankings zu unterschieden. Deshalb ist man auch hierbei stets der Gefahr der automatisierten Sanktionierung durch die Spam-Filter der Suchmaschinen ausgesetzt.
  • Ranking-Optimierung: Eigentlich sollte man Cloaking mit der Intention der Ranking Optimierung separat behandeln, da es hierbei nicht darum geht, die User Experience zu verbessern, sondern eher in eine gegenteilige Richtung. Man setzt Suchmaschinen gezielt optimierte Inhalte vor, die der Besucher nie zu sehen bekommt. Dabei ist Cloaking ein effektives Mittel, um das Ranking von Webseiten zu verbessern oder diese für Suchbegriffe zu pushen, die mit dem Content nichts zu tun haben. Aus diesen Gründen zu cloaken, gilt trotz aller Effektivität als ethisch fragwürdig und äußerst riskant, da es zum dauerhaftem Ausschluss aus dem Suchmaschinenindex führen kann.

Wer vor Grauzonen nicht zurückschreckt, kann andere Cloaking Bereiche, wie zum Beispiel die Abonnement Verwaltung aus SEO Sicht noch etwas würzen: Ranking und Keyword-Reichweite einer Seite lassen sich unter Umständen verbessern, indem man Suchmaschinen-Robots gezielt die Inhalte ausliefert, die sonst nur registrierten Besuchern vorbehalten bleiben.

Populärster Anwender dieser Cloaking-Variante ist wohl die NewYork Times. Was aber noch lange nicht heißen soll, dass Google dieses Verhalten bei anderen Domains nicht aufs Schärfste ächtet. Google misst hier offenbar mit zweierlei Maß.

Lektion 3 – Welche Arten von Cloaking gibt es?

Die Grundlage aller Cloaking-Techniken ist ein Algorithmus, der beim Aufruf eines Web-Dokumentes bestimmte Kriterien des jeweiligen Besuchers auswertet und anschließend die Entscheidung trifft, welcher HTML-Code ausgeliefert wird.

Um diese Entscheidung zu treffen, können verschiedene Headerinformationen des HTTP-Request einzeln oder in Kombination herangezogen werden. Hier die Gebräuchlichsten:

  • Cloaking für Browsertypen: User Agent-Cloaking – Eine einfache Art des Cloaking ist die Auslieferung von speziellen Inhalten je nach Browser des Besuchers. Der Browsertyp lässt sich über den HTTP-USER-AGENT Header auslesen.
  • Cloaking für IP Adressen: IP-Delivery – IP Delivery ist Cloaking für spezielle IP Adressen, bzw. IP Adressebereiche. Am weitesten verbreitet ist IP Delivery für Geotargetting und SEO-Cloaking.
  • Cloaking für bestimmte Referer: Referer-Cloaking – Über Referer-Cloaking lassen sich Inhalte basierend auf der verweisenden URL eines Besuchers ausliefern.
  • Cloaking für Spracheinstellungen: Language-Cloaking – Über den HTTP Accept-Language Header werden die Spracheinstellungen des Browsers eines Besuchers ausgelesen und der Seiteninhalt den jeweiligen Einstellungen angepasst ausgeliefert.

Lektion 4 – Was sollte man beim Einsatz von Cloaking beachten?

Da unüberlegtes Cloaking recht schnell zum Ausschluss aus dem Suchmaschinen-Index führen kann, sollte man sich der Grenzen zwischen WhiteHat und BlackHat bewusst sein. Matt Cutts hat eine recht eindeutige Aussage zu dem Thema getätigt:

IP delivery includes things like “users from Britain get sent to the co.uk, users from France get sent to the .fr”. This is fine–even Google does this. It’s when you do something *special* or out-of-the-ordinary for Googlebot that you start to get in trouble, because that’s cloaking. In the example above, cloaking would be “if a user is from Googlelandia, they get sent to our Google-only optimized text pages.” So IP delivery is fine, but don’t do anything special for Googlebot. Just treat it like a typical user visiting the site.

Das heißt: Es ist erlaubt zu cloaken, so lange man den Googlebot wie einen gewöhnlichen Benutzer behandelt.

Lektion 5 – Wie kann ich Cloaking in meine Webseite einbauen?

Grundsätzlich ist es kein großer Aufwand, Cloaking “einzubinden”. Wie aber schon mehrfach erwähnt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Cloaking stets ein großes Risiko mit sich bringt. Wer also im Begriff ist seine Domain zur Marke aufzubauen oder gerade dabei ist das zu tun, sollte dies nicht durch unnötige Spielereien gefährden.

Es gibt allerdings Möglichkeiten, um die bestehenden Risiken zu verringern und trotzdem durch Cloaking mehr Besucher auf die eigenen Seiten zu bekommen. Das Risiko, dass die moralische weiße Weste beschmutzt wird, verringert sich durch technische Tricks allerdings nicht. 😉

  • Wegwerf-Domains und kostenfreier Webspace: Ein Umweg wäre die Nutzung von Wegwerf-Domains auf IP-Adressen, die nicht in Verbindung mit der Hauptdomain stehen. Alternativ funktioniert auch kostenfreier Webspace auf vertrauenswürdigen Domains. Damit lassen sich starke Doorway Pages aufbauen, deren Ranking sich durch geschicktes Cloaking optimieren lässt.
  • Whois verstecken: Damit sich technisch gesehen so wenig Rückschlüsse wie möglich auf die Verbindung zwischen Doorway Page und der Hauptdomain finden lassen, sollte man die Whois Informationen der Domains für die Doorway Pages verstecken. Dafür kann man Domains bei bestimmten Anbietern über so genannte “Whois Privacy Services” anonym registrieren.
  • Archivierung verhindern: Ein weiteres Problem für Cloaker kann der Google Cache werden. Wenn Google die Version der Seite archiviert, die der Googlebot von unserer gecloakten Seiten vorgelegt bekommen hat, hätte danach jeder menschliche Besucher im Google Cache die Möglichkeit, die gecloakten Seiten zu betrachten. Auf gecloakten Seiten die Meta-Robots Anweisung “noarchive” zu verwenden, ist ein einfacher Weg, um dies zu verhindern. Da allerdings ein Großteil der mit “noarchive” versehenen Seiten gecloakte Seiten sind, kann man davon ausgehen, dass Suchmaschinen diese Seiten von vorneherein als suspekt einstufen. Es ist also sinnvoll nach Wegen zu suchen, um die Archivierung des gecloakten Inhaltes anderweitig zu verhindern.
  • WAP/Übersetzungs-Proxys beachten: Einige Suchmaschinen bieten WAP Proxys für Internetnutzer mit Zugang über das Mobiltelefon an. Andere stellen ihren Nutzern Übersetzungsservices für komplette Webseiten zur Verfügung. Wenn ein Nutzer einen dieser Services verwendet, um eine Webseite anzusteuern, wird für den Besucher eine IP Adresse aus dem Adressraum der jeweiligen Suchmaschine übermittelt.
  • Free Cloaking Software vs Paid Cloaking Software: Wer Cloaking für SEO Zwecke verwendet, sollte wissen, dass nicht das Script selbst das aufwendige bei der Sache ist, sondern die Pflege der “Blacklist”. Also der Liste mit IP Adressen, die nur gecloakte Inhalte vorgesetzt bekommen. Es gibt zwar kostenfreie Skripte und entsprechende Quellen für Spider IP-Adressen im Netz, trotzdem ist es kein unerheblicher Aufwand, diese Liste manuell auf dem neuesten Stand zu halten.

Wer auch für seine Doorway Pages das Risiko des Auffliegens möglichst minimal halten will, kann sich ein eigenes Skript bauen und dies stets mit neuesten Kniffen pflegen und erweitern. Wem das zu viel ist, bieten sich ausgereifte kostenpflichtige Alternativen. Hierbei hat man mehrere Preis-Modelle zur Auswahl. Zum einen ist dort Kloakit, welches die Anzahl der gecloakten Domains als Grundlage für einen einmaligen Preis nimmt. Zum anderen gibt es noch SearchEngineCloaker, welches man zum einmaligen Festpreis komplett erwerben kann. Zudem gibt es auch noch Anbieter, bei denen man monatlich oder jährlich einen gewissen Betrag bezahlen muss.

Es sei allerdings gesagt, dass auch mit kommerzieller Cloaking Software noch die Gefahr besteht, enttarnt zu werden. Auch wenn sich die Wahrscheinlichkeit erheblich verringert. Vor allem wird man auch mit dieser Software nicht per Knopfdruck die Weltherrschaft an sich reißen können. Anpassen, herumspielen und optimieren ist hierbei ebenso gefragt wie beim händischen Versuch.

Da nicht jeder das Thema so zweckorientiert wie ich auffasst, interessiert mich natürlich, was du davon hältst. Wo sind deine Grenzen beim Einsatz von Cloaking und welche Erfahrungen hast du persönlich gemacht?

5 Kommentare

  1. Super gute Auflisung und Erklärung 🙂
    Ich liebe es, wenn man nach etwas sucht und dann so eine ausführliche Übersicht bekommt.
    Danke dafür!

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  2. Hallo!
    Dann sind das die Techniken, die schon lange von Google und Facebook genutzt werden?
    Für mich ist es, glaube ich, nicht nützlich aber sehr interessant zu wissen.
    Danke für die Erklärung des Begriffs!
    VG
    Alex

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