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Google Suggest Autocomplete Manipulation

Die Idee ist folgende: Gibt ein Nutzer einen Suchbegriff ein, so macht Google automatisch Vorschläge, wie die bisher eingetippte Phrase vervollständigt werden könnte. Wenn ich jetzt dafür sorgen könnte, dass bei einer Suche nach “abc” immer “abc def” als erster Vorschlag erscheint, würden mehr Suchende nach “abc def” suchen. Stehe ich also als Suchmaschinenoptimierer bei Google mit dem Keyword “Versicherungsvergleich online” sehr gut da, aber nicht mit dem Suchbegriff “Versicherungsvergleich kostenlos“, würde ich dafür sorgen, dass bei Eingabe von “Versicherungsvergleich” immer “Versicherungsvergleich online” als erster Vorschlag kommt.

Zusätzlich werden via Google Instant auch noch ständig die Ergebnisse des ersten Vorschlags angezeigt, während der Suchende noch tippt.

Interessiert das irgendjemanden?

Durch folgenden Screenshot erkennt man, dass die Google Autocomplete Vorschläge nicht nur für die Suchmaschinenoptimierung interessant sind. Wenn sie bei der Suche nach einem Firmennamen auftauchen, können sie sich auch auf die Online Reputation auswirken:

Google Suggest Autocomplete

Dass Google Suggest bereits im Bewusstsein vieler Firmen angekommen ist, zeigt ein Urteil aus Frankreich: Google muss 50.000 Dollar Strafe zahlen, weil die Suggest Vorschläge bei einer Suche nach dem französischen Versicherer Lyonnaise de Garantie betrügerisches Verhalten suggerierten.

Was genau ist Google Suggests?

Google Suggests (oder wie es eigentlich mittlerweile heißt: Google Autocomplete) sind Suchvorschläge, welche Google direkt beim Tippen unterhalb des Suchschlitzes anzeigt. Google möchte damit das Nutzererlebnis verbessern und die Geschwindigkeit im Suchvorgang erhöhen.

Welche Rolle spielt Google Suggest und was genau kann manipuliert werden?

Für die Online Reputation kann das Ganze eine sehr große Rolle spielen, sobald in den Suggest Vorschlägen zu einer Marke oder einem Namen negative Begriffe auftauchen. Ein negativer Suggest-Vorschlag kann die gesamte Online-Wahrnehmung eines Unternehmens sehr stark negativ beeinflussen, auch wenn es bei der Suche nach dieser Negativ-Kombination keine unvorteilhaften Beiträge gibt. Der überwiegende Anteil der Nutzer wird bereits allein durch einen einzigen negativen Suggest-Vorschlag in seiner Meinung über das Unternehmen beeinflusst. Das hat sich auch in verschiedenen Tests mit Probanden gezeigt.

Manipulieren kann man die Vorschläge dadurch, dass man neue Vorschläge über bereits vorhandene Vorschläge bringt und diese damit verdrängt. Dies kann durch passive Einflussnahme (z. B. mittels PR-Aktionen) oder durch aktive Einflussnahme (mittels Erzeugung von Suchvolumen auf die gewünschte Begriffskombination) geschehen.

Möglichkeiten der Einflussname auf die Autocomplete-Vorschläge

Ich hab im letzten Jahr verschiedene größere Tests durchgeführt, welche sich mit der aktiven Einflussnahme beschäftigt haben. Neben diversen Fehlschlägen am Anfang, gab es dann verschiedene erfolgreiche Versuche. Teilweise hab ich einzelne neue Vorschläge in die Suggests gebracht, teilweise war es auch möglich die Suggest komplett auszutauschen.

Ich kann und möchte jetzt nicht sagen, wie ich es genau gemacht habe. Das Ganze war ein Versuch, mit dem ich die genauen Funktionsweisen seitens Google verstehen wollte. Nur so viel: In den USA ist Mechanical Turk das Mittel der Wahl und dies hat auch nachweislich funktioniert. Mit dem Einsatz von Klickbots bin ich bislang nicht zum gewünschten Ergebnis gekommen. Google kann viele Informationen auswerten, um einen echten User von einem Klickbot zu unterscheiden.

Bislang basierten alle erfolgreichen Versuche von mir auf dem Agieren von echten Nutzern. Hierfür haben mehrere tausend unterschiedliche User zehntausende von Suchanfragen abgesetzt. Das Thema „Interaktion“ und eine möglichst gute Nachahmung von echten Nutzern wird der Schlüssel sein, um Google Suggest irgendwann mit automatisierten Anfragen manipulieren zu können. Vielleicht hat es ja schon jemand hinbekommen?!

Es gab überraschende Erkenntnisse

Überraschend hoch fand ich die Klickrate auf negative Suggest-Vorschläge. Da ich in meinen Versuchen alle Daten zu Suchanfragen beobachtet habe, konnte ich hinterher ausrechnen, dass die Klickraten auf negative Suggests bei zirka 4 – 5 % lagen. Dies verdeutlicht auch noch mal wie stark diese Vorschläge die Reputation beeinflussen können. In einem Versuch führte dies dazu, dass das Suchvolumen auf die negative Kombination nach dem Herausfallen aus den Suggests auf 0 gefallen ist. Dies wiederum zeigt, dass sich negative Suggests quasi selbst befeuern und sich damit sehr lange (wenn nicht sogar dauerhaft) in den Vorschlägen halten können. 😀

Weiterhin scheint es so zu sein, dass relevanter Content zu der Begriffskombination auch ein Ranking-Faktor ist. In meinen Versuchen gab es einige Begriffskombinationen, zu denen es keinen relevanten Content gab und die auch nicht in die Vorschlagsliste gebracht werden konnten. Wenn dem so ist, dann ist die Flutung der Ergebnisse der negativen Begriffskombination mit positiven Berichten gegebenenfalls kontraproduktiv für einen späteren Manipulationsversuch.

Gibt es in Deutschland einen Markt für die Manipulation von Google Suggest?

Ich denke schon, dass es hier einen Markt gibt. Aufgrund des enormen Aufwands, den man für die erfolgreiche Manipulation betreiben muss, ist eine Manipulation mit echten Usern in der Regel aber deutlich zu teuer. Wenn jemand die Suggest mit automatisierten Anfragen zuverlässig manipulieren könnte, dann würde dies sicherlich ein lohnendes Geschäft sein.

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3 Kommentare

  1. Oceparx

    Als Kernaussage dieses Artikels nehme ich “Bislang basierten alle erfolgreichen Versuche von mir auf dem Agieren von echten Nutzern” mit. Hat man also die Intention die Google Suggest automatisch zu manipulieren, muss man wohl gut echte User nachbilden.

    Einen Markt für die Manipulation von Google Suggest gibt es meiner Meinung nach auch auf jeden Fall!!!

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  2. Sehr interessant, mit diesem Thema habe ich mich leider noch gar nicht so auseinandersetzen können. Als einzelnem fehlen einem für Tests ja oft die Ressourcen. Ich denke das Online Reputation immer wichtig ist und es auch bleiben wird. Da sind SERP- und Suggest- Manipulationen eben auch nicht selten. Wenn so was auffliegt ist das aber sicherlich trotzdem ärgerlich. Wenn auch vielleicht nicht ganz so schlim wie die Manipulation von Bewertungen.

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  3. Google Suggest Autocomplete Manipulation ist sicher ein sehr spannendes Thema. Danke für den Beitrag. Ich war mir darüber noch gar nicht im klaren das es überhaupt geht und so relevant sein kann mit den negativ-Vorschlägen.

    Die Frage welche ich mir immer öfter Stelle: Was soll man eigentlich noch alles für seine Webseiten machen? Was ist wirklich wichtig? Denn schließlich ist die zur verfügung stehende Zeit für die Webseite nicht unendlich.

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