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Lesbarkeitsindex: Was genau ist das und wie wird die Lesbarkeit berechnet?

Lesbarkeit kann viele Bedeutungen haben. Zum einen gibt es die Erklärung, dass Lesbarkeit die „Verständlichkeit“ eines Textes darstellt. Andererseits kann die Lesbarkeit auch als der „Schwierigkeitsgrad“ der Sprache betrachtet werden. Es ist klar zu erkennen, dass die Verständlichkeit eines Textes nicht gleichbedeutend mit dem Schwierigkeitsgrad einer Sprache ist.

Viele Forscher versuchen nun auf verschiedenste Weisen, den Begriff „Lesbarkeit“ zu erklären. Allerdings ist auch hierbei zu erkennen, dass verschiedene Wissenschaftler verschiedene Meinungen dazu haben.

Die unterschiedlichen Erklärungen beinhalten jedoch immer wieder Begriffe, wie „Verständnis“, „Lesetempo“ und „Interesse“. Jeder Mensch, der liest, hat verschiedene Interessensgebiete, die ihn ansprechen und es ihm so ermöglichen einen Text leicht zu verstehen. Ebenso liest jeder Mensch mit einem anderen Tempo.

Es kann somit nicht eindeutig geklärt werden, wie der Begriff „Lesbarkeit“ zu definieren ist. Allerdings sind sich alle sicher, dass sich die Lesbarkeit eines Textes grundsätzlich aus verschiedenen Merkmalen ergibt:

  1. die inhaltliche oder begriffliche Schwierigkeit
  2. die sprachliche Schwierigkeit
  3. die Qualität des Stils
  4. die Leserlichkeit und Gestaltung des Druckbildes
  5. der Leserbezug bzw. die Ansprechbarkeit im Hinblick auf den Leser

Einflussfaktoren auf die Lesbarkeit von Texten

Allgemein ist zu sagen, dass das Lesen und somit auch die Lesbarkeit eines Textes von drei Faktoren bestimmt wird: Dem Leser, der Textgestaltung und dem Inhalt des Textes.
Beim Leser eines Textes hat die Sprache des Lesers einen entscheidenden Einfluss. Dies betrifft vor allem die Sprachentwicklung als Kind. Je nachdem in welcher Schicht und in welchem Umfeld ein Kind aufwächst, besitzt es einen ausgeprägten Wortschatz oder nicht. Ebenso zählen der Bildungsgrad und das Vorwissen des Lesers dazu. Dabei geht es jedoch nicht ausschließlich um die Schulbildung sondern auch um die allgemeine Belesenheit und den Umgang mit Büchern. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Leseleistung und das Leseniveau. Entscheidend hierbei ist die entsprechende Beherrschung der eigenen Sprache. Zur Leseleistung zählt allerdings auch die Lesegeschwindigkeit, mit der ein Leser einen Text liest. Vor allem aber das Verständnis, dass der Leser dem Text mit seiner eigenen Denkleistung entgegenbringt, ist ein entscheidender Faktor. Nicht jeder Leser strengt sich beim Lesen eines Textes an, diesen zu verstehen. Dies hängt sehr mit dem Interesse und der Motivation des Lesers zusammen. Soll der Leser Texte lesen, deren Inhalt ihn nicht anspricht, liest er diesen Text weniger gewissenhaft als einen Text über seine eigenen Interessen.

Als Einflussfaktoren der Textgestaltung gelten die sprachliche Verständlichkeit, der Aufbau des Textes, die allgemeine Sprachstruktur sowie stilistische Besonderheiten. Großen Anteil daran hat der Wortfaktor. Ist der Text mit einfachen Worten geschrieben oder sind vorwiegend schwierige und lange Wörter verwendet worden? Werden Fremdwörter genutzt oder einfach zu verstehende Wörter?

Weiterhin wichtig ist die Frage nach der Satzlänge und der Satzkompliziertheit. Ist der Text in kurzen und knappen Sätzen geschrieben oder eher in langen, verschachtelten Sätzen?
Der Inhalt eines Textes bestimmt mitunter entscheidend die Lesbarkeit eines Textes. Dabei muss vor allen Dingen beachtet werden, um was für eine Art Text es sich handelt. Ist es ein wissenschaftlicher Text, bei dem man sicher sein kann, dass er Fremdwörter enthält und anspruchsvoll geschrieben ist? Oder ist es ein literarischer Text, deren Inhalt nur nach einer entsprechenden Analyse und auch nur im Ansatz interpretiert werden kann? Sachtexte können zu den verschiedensten Themen verfasst werden und umfassen dahingehend ein großes Leserspektrum.

Immer wieder jedoch ist die Frage: Für wen ist ein Text schwierig zu lesen und/oder schwierig zu verstehen? Alles in Allem haben Herkunft, Schulbildung, Allgemeinbildung, persönliche Interessen und die Lust nach Wissenserweiterung entscheidenden Einfluss auf die Lesbarkeit eines Textes.

Die Wiener Sachtextformeln

Die beiden Autoren Richard Bamberger und Erich Vanecek haben mit den Wiener Sachtextformeln die Berechnung des Lesbarkeitsindex von Texten der deutschen Sprache vereinfacht. Sie haben sich direkt mit der deutschen Sprache auseinandergesetzt und die entsprechenden Formeln mit Hilfe von Regressionsgleichungen erstellt. Andere Sprachforscher haben versucht, Formeln zur Berechnung des Lesbarkeitsindex von englischen Texten an die deutsche Sprache anzupassen, sich jedoch nie direkt mit ihr befasst.

Demnach sind die Wiener Sachtextformeln ein guter Ansatz, um einen Text bezüglich seiner Schwierigkeit zu analysieren. Die Sachtextformeln ergeben als Wert eine Zahl zwischen 4 und 15. Diese Werte sind als Schulstufen anzusehen. Dabei steht der Wert 4 für die 4. Klasse und hat zur Folge, dass der entsprechende Text leicht zu verstehen ist. Da das deutsche Schulsystem nur bis zur 12. Klasse reicht, sind die Werte 13, 14 und 15 nicht mehr als Schulstufen sondern als Schwierigkeitsstufen anzusehen. Für Texte der Stufe 15 gilt, dass diese Texte sehr schwer zu verstehen sind und man diesbezüglich eher einen Hochschulabschluss benötigt.

Richard Bamberger und Erich Vanecek erstellten drei Sachtextformeln. Dabei werden entsprechende Werte eines Textes ermittelt und in die Formeln eingesetzt, um als Ergebnis die entsprechende Schulstufe zu erhalten, für die dieser Text geeignet ist.

  1. Wiener Sachtextformel
    WSTF = 0,1935 * MS + 0,1672 * SL + 0,1297 * IW – 0,0327 * ES – 0,875
  2. Wiener Sachtextformel
    WSTF = 0,2007 * MS + 0,1682 * SL + 0,1373 * IW – 2,779
  3. Wiener Sachtextformel
    WSTF = 0,2963 * MS + 0,1905 * SL – 1,1144

MS – Mehrsilber, prozentualer Anteil Wörter mit drei oder mehr Silben
SL – Satzlänge, mittlere Satzlänge (Σ Wörter/ ΣSätze)
IW – prozentualer Anteil der Wörter mit mehr als 6 Buchstaben
ES – Einsilber, prozentualer Anteil der Wörter mit nur einer Silbe

Um den Lesbarkeitsindex eines Textes mit Hilfe der Wiener Sachtextformeln zu berechnen, muss ein Text erst analysiert werden. Dazu benötigt man Angaben über die Anzahl der Sätze und der Wörter, um den Mittelwert daraus zu berechnen (SL). Ebenso muss der Anteil der einsilbigen Wörter (ES) und der Anteil der Wörter mit mehr als drei Silben (MS) prozentual ermittelt werden. Für die 1. Wiener Sachtextformel ist noch der prozentuale Anteil der Wörter, die aus mehr als 6 Buchstaben bestehen (IW), zu berechnen.

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