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Welche Formen der Selbstständigkeit gibt es im Internet?

Selbstständig im Internet – für viele eine verlockende Vorstellung. Nachdem der erste, grobe Fahrplan mittels Checkliste erstellt wurde, geht es zunächst um die Klärung als was man sich selbstständig machen möchte.

Für motivierte Existenzgründer, welche sich verstärkt im Internet selbstständig machen wollen, sind insbesondere die Formen des Freiberuflers, des Gewerbetreibenden, des Pauschalisten, des freien Mitarbeiters, des Projektarbeiters, des virtuelle Teams, des Handelsvertreters und die nebenberufliche Existenzgründung vorrangig von Interesse. Es gibt auch noch weitere Formen wie die des Subunternehmers, des Interim-Manager sowie Franchise-Nehmers und Unternehmensbeteiligungen.

Der Freiberufler

Wer in Deutschland freiberuflich seinen Unterhalt erwirbt, besitzt einige Privilegien gegenüber anderen Formen der Selbstständigkeit. Hierunter zählen steuerliche Vorteile, z. B. das keine Gewerbesteuer an das Finanzamt gezahlt werden muss und somit auch kein Gewerbeschein notwendig ist. Zudem reicht es aus, eine einfache Einnahmen- und Ausgabenrechnung zu erstellen. Doppelte Buchführung ist demnach nicht erforderlich.

Zur Gruppe der Freiberufler gehören vorwiegend Personen mit akademischem Abschluss. Vor allem Ärzte, Architekten, Juristen, Steuerberater, Journalisten, Designer sind die klassischen Vertreter, aber auch andere Berufe zählen hierzu. In den meisten Fällen qualifiziert der absolvierte Studiengang zur einer Aufnahme der Tätigkeit in diesem Bereich, manchmal genügt jedoch eine Ausbildung, für die ein Nachweis zu erbringen ist.

Freiberufler arbeiten typischerweise als Einzelunternehmer oder schließen sich zu einer sogenannten Sozietät (überwiegend Anwälte und Steuerberater) zusammen. Beachte, dass eine Abgrenzung zum Gewerbetreibenden im Einzelfall nicht immer klar ist und zu Komplikationen führen kann. Informiere dich daher im Vorfeld, ob du davon betroffen bist.

Der Gewerbetreibende

Die Unterscheidung in Gewerbetreibenden und Freiberufler wird speziell nur im deutschsprachigen Raum vorgenommen. Ursprünglich diente diese Trennung dazu, höhere Steuern von Gewerbetreibenden einzufordern, um für entstehende Umweltverschmutzungen aufzukommen. Den größten Teil bildeten bis Anfang / Mitte des letzten Jahrhunderts die Berufsgruppen des Handwerks. Durch den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft müssen inzwischen auch kleinere Kaufleute und im Handel tätige Unternehmer ihrer Steuerpflicht in Form einer Gewerbesteuer nachkommen.

Ab einer bestimmten Höhe an Einnahmen sind Gewerbetreibende zudem verpflichtet, eine doppelte Buchführung durchzuführen. Sie zeichnet ein genaueres Abbild des Firmenwertes, ist demnach aber auch aufwendiger als die einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung. Mit dem Eintrag ins Handelsregister sind sie ebenfalls zur doppelten Buchführung verpflichtet. Die genaue Regelung hängt von Umsatz- und Gewinnverläufen ab. Aktuell zählst du bis zu einem Umsatz von 17.500 Euro als Kleingewerbetreibender, wofür du keine doppelte Buchführung benötigst, aber auch keine Umsatzsteuer verrechnen kannst. Mehr Informationen dazu findest du hier.

Ein Gewerbe kannst du meist auf den zuständigen Ordnungsämtern deiner Stadt oder Gemeinde anmelden. Hierfür ist eine geringe Gebühr zwischen 15 Euro und 50 Euro fällig. Gewisse Gewerbe (z. B. Gastronomie) bedürfen einer Bewilligung durch das zuständige Amt. Auch darfst du in vielen handwerklichen Berufen erst als Gewerbetreibender auftreten, wenn du die Bedingungen für den Status als Meister erfüllt hast. Informiere dich hierzu bei der jeweiligen Handwerkskammer oder im Internet.

Der Pauschalist (Fester Freier)

Diese etwas seltenere Form ähnelt dem eines freien Mitarbeiters. Man hat hier mehr Rechte und erhält eine feste Entlohnung. Da der Pauschalist demnach auch pauschal eigene Kapazitäten (Zeit, Arbeitskraft) vorhalten muss, ist es kaum möglich, für einen weiteren Betrieb Leistungen zur Verfügung zu stellen. Das Arbeitsverhältnis ist arbeitnehmerähnlich und wird per Vertrag besiegelt, worin auch Kündigungsfristen gesetzt werden können. Der Arbeitgeber garantiert zudem ein festes Auftragsverhältnis.

Freie Mitarbeit

Von der Aufgabenausfüllung unterscheidet sich der freie Mitarbeiter kaum vom Angestellten eines Unternehmens. Möglicherweise besitzt du auch einen eigenen Arbeitsplatz. Der Unterschied zu einer Festanstellung liegt lediglich darin, dass du keinen Arbeitsvertrag hast und für mehrere Unternehmen tätig sein kannst. Vorteile bestehen vorwiegend auf Unternehmensseite – es werden keine Sozialbeiträge abgeführt und der Kündigungsschutz greift nicht. Auch verfällt nach vier Jahren freier Mitarbeit der Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Langfristig ist diese Form der Selbstständigkeit demnach keine gute Option für den Selbständigen. Im Einzelfall oder übergangsweise kann sie jedoch von Nutzen sein, z. B. bei möglicher Übernahme oder um wirtschaftlich schwierige Zeiten zu überleben. In der Praxis ist diese Form meist im Journalismus, der PR- und Werbeindustrie vorzufinden. Auf den ersten Blick ist die freie Mitarbeit, auch wenn sie steuerrechtlich so behandelt wird, keine wirkliche Form der Selbstständigkeit. Aus ihr kann sich aber eine entwickeln. Schaffst du es mehr Auftraggeber zu akquirieren, kannst du langfristig als Freiberufler oder Gewerbetreibender am Ausbau deiner Existenz arbeiten.

Der Projektarbeiter

Sehr weit verbreitet ist die Position des Projektleiters in der IT-Branche. Hierbei sind die Aufträge in zeitlich überschaubaren Rahmen gehalten. Dabei kann der Projektleiter verschiedene Positionen einnehmen und besitzt ein überschaubares Wissen der meisten Bereiche, welche das Projekt berührt. Üblich ist die Arbeit im Unternehmen vor Ort, wobei der Projektleiter Freiberufler oder Gewerbetreibender ist.

Virtuelle Teams

Die Zahl virtueller Teams steigt, da sie von besonders flexiblem Charakters sind. Vorwiegend entstehen sie im Bereich der Informationstechnologie und Kommunikation. Meist bringen sich mehrere Personen gleichberechtigt in ein Projekt mit ein, z. B. den Aufbau einer Website. Die Arbeit erfolgt über den virtuellen Raum – also dem Internet. Somit besteht keine Ortsgebundenheit und die Zeiteinteilung ist in Grenzen frei wählbar.

Trotz dieser Vorteile gilt es einen Nachteil zu bedenken. Direkter zwischenmenschlicher Kontakt von Angesicht zu Angesicht wird auf Dauer vernachlässigt. Dies führt dazu, dass die Bindung der Geschäftspartner weniger stark ausgeprägt ist, wie üblich praktiziert. Vereinbarungen und Absprachen verlieren dadurch unter Umständen an Wert, da unpersönlicher Kontakt mit sinkender Leistungsbereitschaft verbunden sein kann.

Der Handelsvertreter

Handelsvertreter arbeiten ausschließlich im Vertrieb und in den überwiegenden Fällen für ein einziges Unternehmen. Vom Einzelunternehmer bis zu Agenturen ist alles denkbar, der Aufgabenbereich ist fast unbegrenzt. Durch den zunehmenden Konkurrenzdruck investieren Firmen sehr stark in den Vertrieb, wobei dem Handelsvertreter fast immer eine Provision oder ein Fixum + Provision gezahlt wird.

Nicht jeder Mensch ist für den Vertrieb geeignet. Eigenschaften wie Hartnäckigkeit, Nervenstärke, Ausdauer, Redetalent, Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit intelligenter Argumentation und Kommunikation sind von enormer Bedeutung für den eigenen Erfolg. Du solltest also mit Herz und Verstand bei der Sache sein und den Verkauf lieben. Laut HGB und Steuerrecht ist der Handelsvertreter ein selbstständiger Gewerbetreibender.

Die nebenberufliche Existenzgründung

Zirka die Hälfte aller Unternehmensgründung erfolgt nebenberuflich. Dies zeigt die Vorzüge dieser Form der Selbstständigkeit. In nahezu jeder Berufsgruppe findest du Menschen, die neben ihrer gewöhnlichen Tätigkeit als Angestellter oder Arbeiter sich mit einem Nebenverdienst den eigentlichen Unterhalt aufbessern. Ob nun als Büroangestellter, der sich zum Ebay-Profiseller mausert oder als Fließbandbeschäftigter, welcher sein Hobby Musik zur zweiten Berufung macht und nebenbei als DJ auflegt – Möglichkeiten und Beispiele gibt es genügend.

Meist beginnt man mit kleineren Einnahmen im Bereich von 100 – 200 Euro und wächst dann, je nach Unternehmerkraft, auf Erlöse im fünfstelligen Bereich. So kann man nebenbei eine kleine Existenz aufbauen, die zu mehr Unabhängigkeit und Freiheit führt. Wer also einen festen Job hat und sich unsicher ist, ob er den großen Schritt zur Selbstständigkeit bewältigt, für den eignet sich der nebenberufliche Einstieg ideal. Du kannst hierbei probieren, testen und lernen worauf es ankommt. Sollte es nicht ganz so funktionieren, wie du dir das vorgestellt hast, gib nicht auf! Mit jedem Fehltritt sammelst du Erfahrung und beim nächsten Mal weißt du besser, was zu tun ist.

Stück für Stück eignest du dir Fähigkeiten und Kenntnisse an, die du nutzen und einsetzen kannst. Achte darauf, dass dein unternehmerisches Handeln nicht in Konflikten mit deinem Arbeitgeber steht. Nebenberufliche Tätigkeiten lassen sich auf lange Sicht nicht verheimlichen und sind sogar anzeigepflichtig bei deinem Chef. Verbieten kann er allerdings nicht, dass du nebenbei eine selbstständige Existenz aufbaust. Hier schützt dich das Gesetz (Art. 12 GG). Es sei denn, du vernachlässigst deine Aufgaben gemäß Arbeitsvertrag oder gehst in direkte Konkurrenz zu deinem Brötchengeber.

Der Subunternehmer

Subunternehmer bist du dann, wenn du von verschiedenen Firmen Teilaufträge annimmst. Die Baubranche ist der bekannteste Vertreter dieser Form. Dem Kunden gegenüber tritt das Bauunternehmen als Vertragspartner auf und beauftragt Subunternehmen für die einzelnen Gewerke wie Malerei, Treppenbau, Fenster- und Türenausbau.

Üblich ist diese Art der Vergabe im Grunde genommen für alle größeren Projekte, welche verschiedene Bereiche abdecken. Durch Outsourcing und die Konzentration auf Kernkompetenzen kann es sich nicht jedes Unternehmen leisten, die Kapazitäten vieler Teilbereiche vorzuhalten. Solltest du über genügend Kontakte verfügen bzw. die Möglichkeit haben mit deiner Arbeit anderen Unternehmen zuzuarbeiten, lohnt sich die Tätigkeit als Subunternehmer.

Der Interim-Manager

Diese Form der unternehmerischen Tätigkeit wird nur in speziellen Fällen angefordert. Interim-Manager verstehen sich als Krisenbewältiger oder Mentor in stabsähnlicher Funktion. Manchmal kommt es vor, dass Unternehmen das Wissen und die Qualifikation gestandener Leute benötigen, die jahrelang in dem betreffenden Bereich gearbeitet haben. Sie ordnen die finanziellen Verhältnisse einer Firma, managen Krisen, optimieren Strukturen und den Organisationsablauf oder führen das Unternehmen in neue Richtungen.

Ihr Einsatz ist oftmals mit großen Umwälzungen intern wie extern verbunden. Die Bezahlung erfolgt entweder nach Tagessätzen (von 500 Euro bis 5.000 Euro) oder pauschal. Interim-Manager nutzen derartige Angebote, um die Zeit zur Rente sinnvoll zu überbrücken. Es spielen zumeist auch altruistische Motive eine Rolle, z. B. die Weitergabe von Wissen an die nächste Generation. Wenn du dich für den Job als Interim-Manager bewirbst, solltest auf jeden Fall Spaß dabei haben Menschen oder Unternehmen voranzubringen.

Der Franchisenehmer

McDonalds, Obi, Apollo Optik & Co. stehen stellvertretend für eine zwar schon ältere, aber im Trend liegende Form des Unternehmertums – dem Franchising. Hier schließt du als Franchise-Nehmer per Franchise-Vertrag eine geschäftliche Vereinbarung über einen bestimmten Zeitraum ab, indem du den Namen, das Produkt, das Image und andere Leistungen gegen eine Gebühr nutzen darfst. Dabei gehen beide Seiten ein Abhängigkeitsverhältnis ein, um bestmögliche Zusammenarbeit zu gewährleisten. Mehr über die Vorteile und Nachteile einer solchen Verbindung findest du hier.

Unternehmensbeteiligungen

Eine Unternehmensbeteiligung kommt nur in zwei Fällen in Betracht. Entweder du übernimmst einen Betrieb als Nachfolger (Erbe, Schenkung) oder du kaufst dir in ein Unternehmen ein. Wie du siehst, entspricht diese Form der Selbstständigkeit nicht unbedingt dem üblichen Weg eines Existenzgründers, denn von heute auf morgen verfügst du über ein Unternehmen mit Wert. Du musst dir nicht erst in langwierigen Phasen und über Jahre solch ein Unternehmen aufbauen. Du besitzt es einfach. 🙂 Nun ist es deine Pflicht weiter zu expandieren und zu wachsen, damit dein Existenz nicht gefährdet wird.

Der Einkauf kann ebenfalls auf zwei Wegen geschehen. Einmal als stille Beteiligung oder aktiv. Bei der stillen Beteiligung handelt es sich meist um Personen, die als Investor auftreten und die Geschäftsführung anderen überlassen. Oberstes Ziel ist hier in der Regel eine Beteiligung am Gewinn. Bei einer aktiven Unternehmensbeteiligung ist der Käufer meist an zusätzlichen Rechten wie Mitspracheoptionen oder Teilbefugnissen interessiert. Da Unternehmenskäufe aber meist nur von sehr erfahrenen Personen getätigt werden, ist sie für eine übliche Existenzgründung weniger relevant. Auf jeden Fall sollten hier, falls du diesen Schritt erwägst, Sachverständige und Fachkundige zu Rate gezogen werden.

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